Organisationsentwicklung mit Positiver Psychologie
PERMA PLUS EINS. Damit Struktur und Menschen zusammenpassen.
Ihr Unternehmen ist gewachsen. Es braucht klare Rollen, definierte Abläufe und nachvollziehbare Verantwortung. In dem Moment, in dem Sie das einführen, spüren Sie Widerstand. Die Leute, die den Betrieb aufgebaut haben, erleben die neue Struktur als Kontrolle. Gute Mitarbeitende gehen, die verbleibenden ziehen sich zurück.
Dafür gibt es einen Grund, und er liegt selten bei der Führung. Klassische Organisationsentwicklung regelt, wie Veränderung organisiert wird. Wie sie sich für die Menschen anfühlt, die sie tragen sollen, bleibt dabei außen vor.
PERMA PLUS EINS schließt diese Lücke. Das Modell ist aus über 30 Jahren Praxis in Vorarlberger Unternehmen und im internationalen Umfeld entstanden und verbindet die Positive Psychologie mit einer klaren organisatorischen Struktur.
Warum scheitern Strukturprojekte an den Menschen?
Die bekannten Modelle der Organisationsentwicklung sind auf Prozesse und Strukturen ausgelegt. Sie liefern Zielbilder, Meilensteine und Change-Pläne. Ob Mitarbeitende die neue Ordnung als sinnvoll erleben oder als zusätzliche Last, beantworten sie nicht.
In der Praxis zeigt sich das immer am selben Punkt, nämlich beim Übergang von der informellen, gründergeprägten Phase in eine Organisation mit festen Zuständigkeiten. Was als Professionalisierung gemeint ist, kommt als Bürokratisierung an, wenn es nicht an Sinn, Beziehung und persönliche Entwicklung zurückgebunden wird.
Was kosten unklare Rollen wirklich?
Wenn niemand genau weiß, wer wofür zuständig ist, wenn Feedback zufällig kommt und der Sinn einer Aufgabe nicht erkennbar ist, dann steht das nicht nur in der Mitarbeiterbefragung. Es steht in den Zahlen. Höhere Fluktuation, längere Einarbeitung, weniger Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Im schlimmsten Fall verliert das Unternehmen die Menschen, die das Wissen tragen, ausgerechnet in der Wachstumsphase.
Dieser Zusammenhang ist belegt. Die Forschung zu Rollenklarheit, unter anderem die Metaanalyse von Jackson und Schuler, zeigt, dass unklare Rollen mit geringerer Zufriedenheit, höherer Wechselneigung und geringerem Engagement einhergehen.
Wer Organisationsentwicklung ohne diese Dimension betreibt, optimiert nur die Hälfte des Systems.
Für wen ist PERMA PLUS EINS geeignet?
„Eigentlich haben wir alles, aber es greift nicht richtig.“
„Wir verlieren Zeit durch Abstimmungen und Unklarheit.“
„Unsere Führung funktioniert nicht so, wie wir es uns vorstellen.“
Wenn Ihnen einer dieser Sätze bekannt vorkommt, ist PERMA PLUS EINS für Sie gedacht.
Was ist das PERMA-Modell?
PERMA stammt von Martin Seligman, einem der Begründer der Positiven Psychologie. Das Modell beschreibt fünf Dimensionen, aus denen menschliches Wohlbefinden besteht. In Studien über Jahrzehnte haben sie sich bestätigt.
Für Unternehmen ist ein Punkt entscheidend. Alle fünf lassen sich durch Führung, Struktur, Kommunikation und Anerkennung gezielt beeinflussen. PERMA ist deshalb mehr als ein Messinstrument, es ist ein Gestaltungsrahmen.
| Dimension | Was das im Unternehmen heißt | |
|---|---|---|
| P | Positive Emotion | Freude, Zuversicht und Wertschätzung sind Teil des Arbeitsalltags |
| E | Engagement | Aufgaben ermöglichen Vertiefung, nicht nur Erledigung |
| R | Relationships | Belastbare Beziehungen zwischen Mitarbeitenden, Teams und Führung |
| M | Meaning | Die eigene Arbeit hängt erkennbar an einem größeren Zweck |
| A | Accomplishment | Fortschritt wird sichtbar gemacht und gewürdigt |
PERMA sagt sehr klar, was Menschen brauchen. Wie das in einer Rollenbeschreibung, einem Feedbackgespräch oder einer Gehaltsstruktur konkret aussieht, sagt es nicht. Diese Übersetzung ist die Aufgabe von Plus Eins.
Was ist Plus Eins, und warum braucht es eine sechste Dimension?
Plus Eins ist die strukturelle Achse des Modells. Sie besteht aus Rollenklarheit, einer nachvollziehbaren Kompetenzarchitektur und einer gelebten Feedbackkultur. Erst wenn diese drei Dinge stehen, können Sinn, Fortschritt und tragfähige Beziehungen im Alltag tatsächlich erlebt werden. Andernfalls bleiben sie Absichtserklärungen.
Ein naheliegender Einwand lautet, dass Struktur ohnehin in den fünf PERMA-Dimensionen mitgedacht ist. Die Erfahrung zeigt etwas anderes. Solange Struktur nicht als eigene Gestaltungsebene benannt wird, reden Teams über Wertschätzung und Zusammenhalt, ohne zu klären, wer wofür verantwortlich ist. Gute Absichten scheitern dann an unklaren Zuständigkeiten.
Fachlich steht das auf zwei bewährten Grundlagen. Das Job Characteristics Model von Hackman und Oldham zeigt, wie die Gestaltung von Aufgaben das Sinnerleben beeinflusst. Kahns Arbeit beschreibt, unter welchen Voraussetzungen Engagement überhaupt entstehen kann.
Plus Eins ist die Brücke zwischen dem, was Menschen brauchen, und dem, was eine Organisation bereitstellen muss, damit dieses Bedürfnis erfüllbar wird.
Wie wird gemessen, ob eine Person zu ihrer Rolle passt?
Plus Eins betrachtet jede Rolle auf drei Ebenen. Jede beantwortet eine eigene Frage und wird getrennt erhoben. Erst zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild.
Fachlich
Kann die Person, was die Rolle verlangt?
Branchenwissen, Ausbildung, Sprache, digitale Grundfertigkeiten. Erhoben über Selbst- und Fremdeinschätzung und verglichen mit dem Anforderungsprofil der Funktion. Dieses Profil ist Teil der Kompetenzmatrix, die für jede Funktion festhält, welche Fähigkeiten sie in welcher Ausprägung braucht.
Persönlich
Wie arbeitet die Person?
Kommunikationsstärke, Resilienz, Lösungsorientierung, Abstraktionsvermögen. Bewertet wird nicht mit Zahlen, sondern mit beschriebenem, beobachtbarem Verhalten. Jede Stufe ist ein Satz, kein Wert.
Systemisch
Welches Verhalten zeigt die Person auf ihrer Ebene?
Hier geht es weder um Fachwissen noch um Charakter, sondern um das, was die Rolle im Gesamtsystem bewirkt. Für jede Führungsebene ist festgelegt, wozu die Rolle da ist, was ausdrücklich nicht dazugehört und wie an den Schnittstellen kommuniziert wird.
Die Trennung ist Absicht. Werden diese drei Fragen vermischt, entstehen Bewertungen, die niemand mehr nachvollziehen kann und die als unfair empfunden werden.
Was hat das mit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie zu tun?
Die Richtlinie (EU) 2023/970 verlangt, dass gleiches Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit nachweisbar wird. Unterschiede müssen sich durch objektive, geschlechtsneutrale Kriterien begründen lassen. Die Umsetzungsfrist ist am 7. Juni 2026 abgelaufen. Österreich hat bis heute kein eigenes Umsetzungsgesetz beschlossen, doch Gerichte und Behörden müssen bestehendes Recht seither richtlinienkonform auslegen. Der rechtliche Rahmen hat sich damit auch ohne neues Gesetz verändert.
Genau hier wird die Standortbestimmung praktisch nützlich. Jede Funktion erhält eine Gehaltsbandbreite, die unabhängig von der Person definiert ist. Wo sich eine Person innerhalb dieser Bandbreite befindet, ergibt sich aus fachlichen Fähigkeiten, persönlichen Fähigkeiten und Rollenerfüllung, und es ist dokumentiert. Damit existiert eine nachvollziehbare Begründung für Gehaltsentscheidungen statt einer gewachsenen Struktur, die niemand mehr erklären kann.
Das ersetzt keine rechtliche Prüfung. Es schafft aber die sachliche Grundlage, auf die sich eine solche Prüfung stützen kann.
Wann wird ein hoher Wert zum Warnsignal?
Die Auswertung überrascht die meisten beim ersten Mal. Ein höherer Wert ist nicht automatisch besser für das Unternehmen. Die Kurve hat zwei Risikoenden.
| Wert | Einstufung | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| unter 50 % | Ausschlusskriterium | sofortiger Handlungsbedarf |
| 50 bis 70 % | ausbaufähig | Potenzial vorhanden, gezielt fördern |
| 70 bis 80 % | Zielkorridor | passt zur Rolle |
| 80 bis 90 % | überdurchschnittlich | eigene Entwicklungswünsche entstehen, das Unternehmen muss aktiv werden |
| über 90 % | hohes Abwanderungsrisiko | die Person ist ihrer Rolle entwachsen |
Das obere Ende erklärt sich über das Flow-Konzept von Csikszentmihalyi. Flow entsteht im Gleichgewicht von Anforderung und Können. Übersteigt das Können die Rolle dauerhaft, fehlt die Herausforderung. Menschen gehen dann, obwohl ihr Vorgesetzter sie für zufrieden hält.
So wird nicht nur Überforderung sichtbar, sondern auch Unterforderung. Und damit die Frage, wo rechtzeitig ein Entwicklungsgespräch, ein neuer Verantwortungsbereich oder ein Karriereschritt fällig ist.
Zur Einordnung: Die Schwellenwerte sind Erfahrungswerte aus der Praxis, keine statistisch validierten Grenzen. Ob sie Abwanderung tatsächlich vorhersagen, lässt sich erst mit echten Austrittsdaten über mehrere Jahre belegen. Diese Einschränkung gehört dazu. Wir behaupten nicht mehr, als wir wissen.
Das Modell im Überblick
Fünfzehn Folien, die PERMA PLUS EINS von der Ausgangslage bis zur Anwendung zeigen. Blättern Sie durch oder klicken Sie eine Folie an, um sie größer zu sehen.
Wie läuft das konkret ab?
PERMA PLUS EINS ist ein Entwicklungsprozess über mehrere Jahre, kein Workshop. Er beginnt trotzdem klein, mit einer Standortbestimmung, die zeigt, wo die Organisation heute steht, oder mit der Klärung einzelner Rollen, an denen es gerade hakt.
Das Modell begleitet den gesamten Weg eines Mitarbeitenden im Unternehmen, vom Onboarding über die Entwicklung bis zum Austritt. Entstanden ist es in einem mehrjährigen Praxisfall in einem mittelständischen Technologieunternehmen mit rund 45 Mitarbeitenden, angewendet seit 2023.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Wir starten mit der Definition der Funktionen. Diese werden anschließend von den Mitarbeitenden gemeinsam mit der Führungskraft bewertet, wobei die Anforderungsausprägung von 1 bis 4 festgelegt wird. Im nächsten Schritt folgen Selbst- und Fremdeinschätzung.
In einem Unternehmen, das ich betreuen durfte, führte dieser Prozess dazu, dass ein Mitarbeiter von sich aus feststellte: „Ich war dabei, als wir die Anforderungen formuliert haben, und jetzt sehe ich objektiv, dass ich für diese Funktion nicht der Richtige bin.“ Er hat sich daraufhin intern neu orientiert und eine passendere Rolle gefunden.
Dieses Beispiel zeigt, wie der Prozess im besten Fall wirkt. Weil die Anforderungen gemeinsam erarbeitet wurden, trifft die anschließende Einschätzung auf Akzeptanz statt auf Widerstand, und eine Fehlbesetzung wird nicht von oben verordnet, sondern von der betroffenen Person selbst erkannt. Wichtig ist dabei die Anschlussfähigkeit. Der Prozess funktioniert nur dann wertschätzend, wenn für Mitarbeitende, bei denen sich eine Lücke zeigt, von vornherein ein Weg vorgesehen ist, etwa Entwicklung, Qualifizierung oder interne Neuorientierung wie in diesem Fall, statt ausschließlich die Trennung. Ein einzelnes Beispiel belegt naturgemäß nicht die generelle Wirksamkeit der Methode, es veranschaulicht aber das Zielbild, auf das der Prozess ausgerichtet ist.

Wer steht hinter PERMA PLUS EINS?
Karl-Heinz Fenkart ist Unternehmensberater, Interim Manager und Businesscoach in Hohenems. Seine Erfahrung aus über 30 Jahren in Personalmanagement, Produktmanagement sowie Strategie- und Organisationsentwicklung ist die Grundlage, aus der PERMA PLUS EINS entstanden ist. Das Modell wurde in der laufenden Begleitung eines Unternehmens durch seine Wachstumsphase entwickelt und über mehrere Jahre verfeinert.
Vor der Selbstständigkeit war er unter anderem Globaler HR Director für Operations in internationalen Unternehmen. Er ist zertifizierter Prüfer der Wirtschaftskammer Vorarlberg und hat eine fortgeschrittene Ausbildung in Positiver Psychologie.
Er arbeitet mit Unternehmen in Vorarlberg und der Bodenseeregion, die sich strukturell weiterentwickeln wollen, ohne ihre Kultur zu verlieren.
Zum Weiterlesen
Das vollständige Whitepaper stellt PERMA PLUS EINS auf 13 Kapiteln vor, ordnet das Modell wissenschaftlich ein und zeigt die Anwendung entlang des gesamten Employee Life Cycle. Sie erhalten es unmittelbar per E-Mail.
Häufige Fragen zu PERMA PLUS EINS
Nein. Anders als reine Führungsmodelle beschreibt PERMA PLUS EINS keinen Führungsstil, sondern einen organisationalen Gestaltungsrahmen, der psychologisches Wohlbefinden systematisch mit struktureller Klarheit verbindet. Führung ist ein wichtiger Hebel innerhalb des Modells, aber nicht sein alleiniger Gegenstand.
Nicht zwingend. Viele Elemente – etwa eine erste Standortbestimmung oder die Klärung einzelner Rollenbeschreibungen – lassen sich auch in kleinerem Rahmen beginnen. Der volle Nutzen entfaltet sich jedoch, wenn das Modell als mehrjähriger, iterativer Entwicklungsprozess verstanden wird.
Das zugrunde liegende PERMA-Modell ist wissenschaftlich breit erforscht. Die „Plus Eins“-Erweiterung ist praxiserprobt und wird derzeit für eine weitergehende wissenschaftliche Validierung vorbereitet. Wir legen Wert auf diese Unterscheidung, statt mehr Evidenz zu behaupten, als aktuell vorliegt.
Erprobt wurde PERMA PLUS EINS bislang vor allem in einem mittelständischen Unternehmen mit rund 45 Mitarbeitenden. Die zugrunde liegenden Prinzipien – strukturelle Klarheit als Fundament für psychologisches Wohlbefinden – sind grundsätzlich skalierbar, die konkrete Umsetzung sollte jedoch immer an die jeweilige Unternehmensgröße und -kultur angepasst werden.














